Manifest für ein Kulturareal an der Donau

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Leider gibt es kein umfassendes Stadtentwicklungskonzept, in das man die Aufgabenstellung "Theater-Neubau, Umbau, Sanierung, Erweiterung" in Bezug auf eine grundsätzliche Problemlösung (z.B. Theaterkonzeption/ erweiterte Standortfrage …) hätte stellen können. So bleibt nur, aus der Not eine Tugend zu machen und zumindest den zentralen Umfang in ein sinnvolles Konzept zu integrieren 1). Dabei ist zu berücksichtigen, dass dieses Konzept in sich eingeschränkt ist, gleichwohl erreicht werden muss, dass

  1. die bestehenden Missstände beseitigt und
  2. die (nicht nur räumlichen) Einschränkungen berücksichtigt werden, sowie
  3. der Gesamtaufgabe inhaltlich und konzeptionell nachgekommen wird.


Sachliche Hintergründe/ bestehende Missstände:

  • Notwendige Sanierung des Hämerbaus (denkmalgeschützt)
  • Fehlende, unzureichende Sekundärräume (z.B. Werkstätten)
  • Bestehendes Provisorium des Kleinen Hauses
  • Notwendige Ersatzspielstätten während der Sanierung des Hämerbaus (Theater und Festsaal)

Einschränkungen

Ebenso muss man feststellen, dass die ursprüngliche Entscheidung für den Standort im Klenzepark sowohl im Grundsatz (Standort, auf Grund welcher Fakten?) als auch in der Vorgehensweise (keine dem Anlass angemessene Ausschreibung, provisorisches Raumkonzept) nicht gerade von professionellem Weitblick zeugt. Inzwischen ist diese Entscheidung ohnehin obsolet (wirklich? In welchem Umfang - räumlich/ zeitlich?) und daher hat man sich auf das Umfeld des Hämerbaus festgelegt (wieder die Frage wer? Ist das kein Bürgerthema? Das zurückliegende „Aufbäumen“ der Kulturgemeinde scheint keinen Eindruck hinterlassen zu haben). Mit diesem neuen Standort ergeben sich zwangsläufig Einschränkungen:

  • Nutzbare, vorhandene Fläche,
  • Untergeschosse durch Tiefgarage eingeschränkt,
  • Formale Beschränkung durch Bestand (Hämerbau, Neues Schloss),
  • Notwendige Rücksichtnahme auf das Stadtbild – Bauvolumen, Gestaltung.

Es wird sich zeigen, dass die Maximalforderungen (wie sie im Entwurf der Klenzepark-Lösung eingeflossen waren) nicht realisiert werden können. Es wird zu Kompromissen kommen müssen, die jedoch keinesfalls zu Lasten des an dieser Stelle besonders sensiblen Stadtbildes (inkl. einer uneingeschränkten Ansicht des Neuen Schlosses) und der gestalterischen Bedeutung des Hämerbaus gehen dürfen. Auch wenn sich bereits bei der Formulierung dieser Gedanken Zweifel auftun angesichts der Entscheidungen für den wiederholt durchgewunkenen rücksichtslosen, monströsen Hotelbau an der Ostseite des Neuen Schlosses.  Dessen ungeachtet soll die Chance genutzt werden, für den jetzt vorgesehenen neuen Standort ein Konzept zu realisieren.

Konzept für ein Kulturareal an der Donau

Ingolstadt Donauufer um 1790
Ingolstadt Donauufer um 1816
Ingolstadt Donauufer heute
Kulturareal an der Donau

Stadtgeschichtlicher Hintergrund

Wer eine (ältere) Karte in die Hand nimmt, oder sich ein Luftbild von Ingolstadt ansieht, wird feststellen, dass an dieser Stelle seit Ingolstädter ewigen Zeiten ein Areal liegt, das "anders" ist, eigenständig. Es liegt außerhalb der alten Stadt, es trennt die Kernstadt von der Donau. Zuerst war es nur Sumpfland, Überschwemmungsgebiet der Donau mit einigen wallartigen Befestigungen, später wurde es vom Bayerischen Militär genutzt, in der neueren Geschichte setzte Hardt-Waltherr Hämer mit seinem Theaterbau einen baulichen Kontrapunkt, ohne das Stadtbild von Süden zu stören, genial. Chapeau vor den damaligen Entscheidungsträgern!

Die Fakten

Wir haben ein umrissenes Areal mit einem kleinen Park-artigen Gelände und verschiedenen Großplastiken vor dem MKK; ein großartiges Theater an zentraler Stelle, "zentral" zu verstehen sowohl örtlich als bedeutungsmäßig; das Neue Schloss als östlichen Abschluss. In das Theatergebäude integriert eine Galerie; unter dem Herzogskasten, jedoch vom Theatervorplatz aus zugänglich die Studiobühne. Den freien Platz vor dem Theater im Westen und im Osten ein noch als Parkplatz genutztes Areal, daran anschließend eine weitere Park-ähnliche Fläche, direkt vor dem Neuen Schloss. Ob und wie das westliche, zum neuen Rathaus hin gelegene, "abendliche Saufzentrum", Viktualienmarkt genannt, ebenfalls in die Überlegungen einbezogen werden kann, … 2) Im vorliegenden Konzept würde nun die gesamte beschriebene Fläche primär für kulturelle Zwecke genutzt werden. Die bereits genannten Strukturen würden ergänzt werden um das Neue Kleine Haus und die für den Theaterbetrieb erforderlichen Werk- und Nebenflächen. Die Anlage südlich des Neuen Schlosses muss frei bleiben, aus "Respekt" vor diesem Wahrzeichen Ingolstadts.

Verkehrsberuhigung

Vor einiger Zeit gab's mal die Vision, Ingolstadt an die Donau heranzuführen (wo ist die Diskussion eigentlich hin verschwunden? Fand sich wahrscheinlich kein Investor.) Diesen Gedanken könnte man in dem neuen Zusammenhang wieder aufgreifen, ebenso wie den Gedanken, den Durchgangsverkehr von der Schloßlände auszuschließen. (Wer jetzt sagt, das geht nicht, sagt ja nur, dass er/sie nicht will). Wenn das mit der Rückstufung der Schloßlände funktioniert, wäre auch der Durchgangsverkehr von der Schutterstraße weitgehend abgehalten. Die könnte dann - wie es heute so schön heißt - als "shared space" angelegt werden und das gesamte "Kunst- und Kulturareal" würde als Einheit erlebbar.

Internationaler Wettbewerb

Angesichts des städtebaulich sensiblen Standortes (Stadtbild/ Neues Schloss) und der besonderen Wertigkeit des Hämerbaus als "Dreh- und Angelpunkt" dieses Areals muss die Lösung für die Neubauten im Rahmen des beschriebenen künftigen Ingolstädter "Kulturareals an den Donau" in einem offenen, international ausgeschrieben Wettbewerb mit einem international besetztem Schiedsgericht gefunden werden. Alles andere wäre zutiefst provinziell.3)

KS, IN 09.2016

PS: Anstelle der gerade in diesem Zusammenhang erlebbaren städtischen Hinterzimmerpolitik könnten sich durch eine Integration der "Kulturschaffenden" gemeinsam mit ihren Unterstützern, den Kulturfreunden im Sinne einer ernst gemeinten "Bürgerbeteiligung" echte Chancen ergeben. Ob es gelingt, die Genannten gegen die Parkplatz- und Mülltonnenraum-Verteidiger in Stellung zu bringen?

1) Angesichts der aufgeführten Einschränkungen sollte zumindest zu Beginn der Untersuchungen ein möglicherweise notwendiger alternativer Standort nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, sobald ein vernünftiger (wenn auch nicht den Maximalforderungen entsprechender) Betrieb der neuen Theater-Einrichtung an dieser Stelle nicht erzielt werden kann.

2) Die Ruine der früher an dieser Stelle gelegenen Augustinerkirche wurde 1950 u.a. mit dem Argument "Schließlich stehe die Kirche einer großzügigen Stadtplanung im Wege" abgetragen. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, an dieser Stelle die versprochene "großzügige Stadtplanung" einzufordern.

3) Natürlich ist es unabdingbar, dass vor einer Ausschreibung alle technischen Details, wie z.B. Raumprogramm (inkl. Priorisierung der Anforderungen), die grundsätzlichen Forderungen (Erhaltung des Stadtbildes, Berücksichtigung der Position und Wertigkeit von Neuem Schloss und Hämerbau usw.) sowie die Zielforderung des "Kulturareals" vorliegen müssen. Dies gilt auch für die Rückstufung der Donaulände und der Schutterstraße zumindest in verkehrsberuhigte Zonen verbunden mit der Anbindung des Geländes an die Donau.