Lenz Kraus

Aus Ingolstadt Wiki
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So wie München seinen Sigi Sommer, alias „Blasius der Spaziergänger“, hatte, der das profunde, kleine und große Leben in der Stadt satirisch und humorvoll niederschrieb, so hatte Ingolstadt seinen Kraus Lenz. Die meisten seiner manchmal auch wehmütig zurückblickenden Glossen erschienen als Kolumne im Donau Kurier.

Neben seinem Talent als lokaler Anekdotenerzähler war dieses Original von einem Mann, der einen stets mit „der Lenz ist da“ begrüßte, auch ein bedeutender Maler. Trotz Bedenken seines Vaters, dies wäre ein unsicherer Beruf, hat der Lenz neben der Tätigkeit in der familiären Glaserei seine Lieblingsbeschäftigung nie aufgegeben. Früh nahm er dafür Unterricht beim hiesigen Maler Zachmann und bei Prof. Reichardt und besuchte später die Zeichenklasse der Oberammergauer Bildhauerschule. Seine Motive: Die Schanz, Blumen und Abstraktes. Ab 1964 schaffte er den ehrenvollen Sprung in die „Große Kunstausstellung im Haus der Kunst München“.

Die kurzen Texte vom Lenz sind in einem Buch mit dem Titel „Da habt’s es noamoi“, der erweiterten Neuauflage von „Da habt’s es“ in 338 Seiten zusammengefasst.

Der Lenz, Jahrgang 1922, hatte 1946 seine Frau, den „Schnuck“, kennengelernt, mit der er in inniger Gemeinschaft bis zum 29. Oktober 2002 zusammenlebte. An diesem Tag schied das wunderbare Paar im Alter von 80 Jahren aufgrund schwerer Krankheit gemeinsam freiwillig aus dem Leben.

Der Lenz war in Ingolstadt auf eine derart intensive Weise zuhause, dass er alle und jeden kannte und auch ihre Geschichten. Er schrieb sozusagen die Stadtgeschichte des kleinen Mannes in Einzeldarstellung. Eine Kostprobe seiner Humoresken:

Wie ich geplant worden bin

Also dann – am 21. August 1921 hat mein Vater, der Lorenz Kraus, Glasermeister zu Ingolstadt an der Donau, einen kleinen Handwagen von Desching nach Ingolstadt gezogen. Desching ist ein ganz kleiner Ort, eine gute Stunde von Ingolstadt weg, und zu der Zeit hat man da, nach dem Ersten Weltkrieg schon wieder Granaten gebastelt, wenn dies auch laut Versailler Vertrag verboten war.

Und - man wollte große Munitionsfabriken dort bauen, und an diesem Tag hat mein Vater den Auftrag für die Glaserarbeiten dieser Hallen bekommen – hurrraaaah. Er hat die Glaserei ja erst 1920 von der Witwe Kees gekauft (aber das ist schon wieder eine andere Geschichte) und hatte eine Mordsfreud über diesen großen Auftrag. Daheim sagt er gleich zu seiner Frau, der Centa: Zenzerl, mir brauchen einen Sohn, das Geschäft wird immer größer. Was soll ich erzählen, in dieser Nacht wurde ich auf Band gelegt, wie man in Ingolstadt so sagt, nachdem hier die Firma AUDI ist und man einen solchen fährt, dort arbeitet oder einfach da draußen wohnt.