Humanismus in Ingolstadt

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Der Renaissance-Humanismus ist als literarisch ausgerichtete Bildungsbewegung eine machtvolle geistige Strömung zur Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten. Ein wertvoller wahrheitsgemäßer Inhalt und eine vollendete sprachliche Form bildeten eine Einheit.

Schon vor 1500 fasste der Humanismus in Ingolstadt als erster deutschen Universität Fuß. Seit 1505 wurde das Hebräische, seit 1515 das Griechische gelehrt. Die großen Gelehrten dieser Zeit waren beispielsweise der Humanist Konrad Celtis, der Historiker Johannes Aventinus (Johann Turmayr) und der Jesuit Petrus Canisius. Konrad Celtis, war ein bedeutender Vertreter der neuen Richtung. Seine " Ars versif icandi et carminum" ließ er zur Verwendung in seinen Vorlesungen drucken. Sie wurde damit zur ersten selbständigen Poetik des deutschen Humanismus und Celtis zum ersten "Poeta laureatus" (gekrönter Dichter) der deutschen Literatur.

Die Beschäftigung der Geschichtsforschung mit dem Humanismus an der Universität Ingolstadt hat eine lange Tradition. Allerdings konzentrierte sie sich bisher auf die Zeit ab dem Erscheinen des deutschen "Erz-Humanisten" Konrad Celtis in der Stadt an der Donau im Jahr 1492. Nur scheinbar erst ab seinem Auftritt an der landesherrlichen Alma Mater zog das Gedankengut der neuen Geistesströmung dort ein. Maximilian Schuh fragt in seiner unter anderem an der Universität Münster entstandenen Dissertation nach der Zeit vor Celtis" Aufenthalt an der jungen Universität. Für den Rhetorikunterricht wird deutlich, dass dort schon früh "selbstverfasste Werke mit humanistischer Schwerpunktsetzung" gelesen wurden. Im nächsten Schritt untersucht Schuh den Bibliotheksbestand der Artistenfakultät, soweit er noch fassbar ist. Gezielt fragt er nach Werken der Antike sowie humanistischer Literatur. Da die Bibliothek zunächst nur für die Magister und nicht für die Studenten zugänglich war, finden sich dort hauptsächlich Werke für ein Studium der höheren Fakultäten Jurisprudenz, Medizin und Theologie, dem sie häufig nachgingen. Unter der Katalogrubrik "In oratoria, poesi et historiis" finden sich jedoch 35 Einzeltitel mit Schriften antiker und italienischer Autoren. Im letzten großen Kapitel geht es schließlich um individuelle Aneignungen humanistischen Gedankenguts. Schuh untersucht hier eingangs das rhetorische Lehrbuch von Paul Lescher im Hinblick auf "altes und neues Wissen" und konstatiert ein Nebeneinander von scholastischer und humanistischer Tradition, das sich vor allem an den Bedürfnissen der Studenten orientierte und als Kulturtransferprozess zu verstehen sei. Für eine Aneignung des Humanismus von studentischer Seite aus befasst Schuh sich mit von den Universitätsbesuchern angelegten und genutzten Anthologien. Bei der Untersuchung des Buchbesitzes Ingolstädter Universitätsangehöriger kommen schließlich zwar keine "Humanistenbibliotheken" zum Vorschein, doch besaß fast jeder einzelne Werke antiker oder zeitgenössischer humanistischer Autoren. Die Vielzahl der angeführten Hinweise auf solche Aneignungen lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass humanistische Strömungen auch bereits vor Konrad Celtis" Eintreffen in Ingolstadt vorhanden waren und der "Erzhumanist" einen bereiteten Boden vorfand.

Johannes Reuchlin gilt als einer der wichtigsten europäischen Humanisten. Von seinem älteren holländischen Kommilitonen Rudolf Agricola beeinf lusst, entwickelte sich Reuchlin zum deutschen Repräsentanten des Renaissance- Piatonismus. Als neulateinischer Dichter unternahm er den Schritt vom Dialog zum Drama und wurde so Begründer des neueren deutschen Dramas und des Schuldramas. Ergreift thematisch die italienische Commedia dell'arte auf. Seine Übersetzungen, Textausgaben und persönlichen Anregungen förderten die Kenntnis der altgriechischen Sprache. Durch sein in Deutschland damals außergewöhnliches Studium der althebräischen Sprache erschloss er der Wissenschaft das Alte Testament. In der Folgezeit diente sein Werk öe rudimentis hebraicis dazu als Grundlage.

Als sein Hauptwerk gelten die zwischen 1517 und 1522 entstandenen Annales ducum Boiariae, in denen er die bayerische Geschichte bis zum Jahre 1460 behandelte. Die Bairische Chronik (geschaffen 1526-1533), eine deutsche Bearbeitung seiner Anna\en, ist volkstümlicher geschrieben und besticht durch eine freie und unabhängige Denkweise in nationalen und kirchlichen Fragen. Als Ernst, der Bruder des Herzogs, 1516 an der Universität Ingolstadt studieren sollte, schrieb er für ihn eine systematische Darstellung der Wissenschaften, die er Encyclopedia nannte und erstmals 1517 als Anhang zu seiner Grammatik veröffentlichte. E s ist die erste bekannte gedruckte Enzyklopädie. Die erste deutsche philosophische Enzyklopädie von Gregor Reisen von 1503 gilt im 16. Jahrhundert als maßgebliches Lehrbuch. Das Ingolstädter Theater erreichte mit den Werken Jakob Lochers im Humanistendrama europäischen Rang. Die Weltkarten Peter Apians stehen für ein neues Weltbild. Seine Druckerei war bedeutend. Ingolstadt ist ein Zentrum von Mathematik und Astronomie.

1563 Bairische Landtafeln von Philipp Apian.

Ingolstadt ist führender Druckerort in Baiern.

1526 Paracelsus in Ingolstadt.

Adam Weishaupt wuchs in Ingolstadt auf. Sein Vater Johann Georg Weishaupt war Professor für Rechtswissenschaft. Der junge Weishaupt besuchte das Jesuiten-Gymnasium in Ingolstadt. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, um sich dem Studium der Philosophie, der Geschichte und Staatswissenschaften zu widmen. Früh verwaist, wurde er von Johann Adam von Ickstatt adoptiert und im Geiste der aufgeklärten Philosophie erzogen. E r studierte an der Universität Ingolstadt Geschichte, Rechte, Staatswissenschaften und Philosophie und wurde 1768 zum Doktor der Philosophie promoviert. 1772 wurde er außerordentlicher Professor der Rechte, 1773 ordentlicher Professor für Kirchenrecht in Ingolstadt.

Weishaupt entwarf um 1775 das Programm einer Schule der Menschheit, das jedoch unausgeführt blieb. Am 1. Mai 1776 gründete er den Bund der Perfektibilisten, (Bienenorden), der später als die Illuminaten bekannt wurde. Ihre Mission war die Entfaltung der Moral und Tugend sowie die Gründung einer Vereinigung guter Menschen, um dem Voranschreiten des Bösen zu begegnen. Der wirkliche Charakter der Gesellschaft bestand in einem ausgeklügelten Erziehungssystem, um die Tugend und Sittlichkeit zu befördern und den absolutistischen Staat durch Unterwanderung überflüssig zu machen. Johann Adam Freiherr von Ickstatt war Professor und Direktor der Universität Ingolstadt. E r war ein Vertreter der Aufklärung und gilt als Gründer des bayerischen Realschulwesens.