Herbert Geier

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Herbert Geier war ein Ingolstädter Siebdrucker (1923 - 1990), der eine international renommierte Siebdruckwerkstatt betrieb.

Es gibt Menschen, die leben das „mehr sein als scheinen“. Es soll hier die Rede von einem Ingolstädter sein, der trotz seiner persönlichen Bescheidenheit nicht vergessen werden darf. „Es ist sehr gut, dass an Herbert Geier, mit dem ich jahrelang zusammen gearbeitet habe, endlich erinnert wird. Seit Jahren erwähne ich bei jeder Darstellung der Entstehung des Museums für Konkrete Kunst, dass es Herbert Geier war, der mich zum Verkauf meiner Sammlung an die Stadt Ingolstadt ermunterte. Seiner Initiative und seiner Arbeit mit dem Keller-Verlag und mir ist fast alles zu danken, was seit 1968 entstanden ist.“ Dies ist die aktuelle Meinung von keinem Geringeren als Eugen Gomringer.

Der Siebdruck ist eine der ältesten Druckarten und zugleich eine der modernsten und technisch anspruchsvollsten.

Der Siebdruck ist ein Druckverfahren, bei dem die Druckfarbe mit einer Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gedruckt wird. An denjenigen Stellen des Gewebes, wo dem Druckbild entsprechend keine Farbe gedruckt werden soll, werden die Maschenöffnungen des Gewebes durch eine Schablone farbundurchlässig gemacht. Im Siebdruckverfahren ist es möglich, viele verschiedene Materialien zu bedrucken.

Der Begriff „Serigrafie“ bezeichnet den Druck von Kunstgrafik im Siebdruck. Serigrafien werden vom Künstler selbst angefertigt oder in enger Zusammenarbeit zwischen einer Siebdruckerei und dem Künstler gedruckt.

Der Ingolstädter Herbert Geier gründete 1953 einen Betrieb für dekorative Malerei, Schrift und Reklame. Die 1956 errichtete Werkstätte musste bereits 1959 infolge Angliederung einer Siebdruckerei erweitert werden. Geier wandte sich genau zur richtigen Zeit dem Siebdruck zu. Bereits in den Jahren 1963 bis 1966 erregten Plakate aus seiner Druckerei aufsehen und wurden prämiert. 1990 fand im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg eine Ausstellung mit Arbeiten aus der Werkstätte Geier statt: Josef Albers, Otmar Alt, Antonio Calderara, Ernst Fuchs, Eugen Gomringer, Marcello Morandini, Victor Vasarely u. a. Geier konnte die Bedürfnisse der anspruchsvollen Künstler mit Siebdrucken mit bis zu 60 Farben befriedigen. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Qualitätsleistung ist das Atelier u. a. nach New York eingeladen worden. Geier hat sich mit der aktuellen Kunst dieser Jahrzehnte zusammengefunden.

1965 entstand eine Mappe mit Arbeiten der Ingolstädter Künstler J. Eppelein, P. Eichlinger, K. Krakow, G. Schneider, K. Schnurer und L. Spreng.

Als Glücksfall bezeichnete Geier die Bekanntschaft mit dem Verleger Josef Keller in Starnberg, der sich damals mit der Herausgabe der ersten, von Gomringer verfassten Monografie über Josef Albers beschäftigte, zu der Geier zahlreiche Siebdrucke beisteuerte, was zum großen Erfolg wesentlich beitrug.

1972 erschien die deutsche Fassung des zu den wichtigsten Lehrwerken über Farbe zählenden Werkes von Albers „Interaction of color“.

Es sind die relativ wenigen bekannten Siebdrucker, welche diesem modernen Druckverfahren, ohne das man viele Druckkunstwerke so nicht hätte schaffen können, zu hohem Ansehen verhalfen. Herbert Geier bezeichnete sich selbst schlicht und sehr bescheiden als „Handlanger der Künstler“. Understatement, wenn man andererseits den Dienst an einer künstlerischen Idee schätzt, indem dem Siebdrucker praktisch die ganze drucktechnische Realisierung in die Hand gegeben wurde, und wenn man berücksichtigt, wie sehr ein Künstler in diesem Fall auf den Rat des Druckers angewiesen ist.

Herbert Geier war neben seinem mit Passion ausgeübten Beruf aber auch ehrenamtlich engagiert. 1969 übernahm Geier das Amt des Obermeisters der Malerinnung. Später setzte er Impulse im Hauptverband des Deutschen Malerhandwerks. Unter den vielen Auszeichnungen, mit denen er für sein mannigfaches Engagement bedacht wurde, darunter auch das Bundesverdienstkreuz, war ihm doch die liebste die Goldene Bürgermedaille der Stadt Ingolstadt im Jahr 1989.

Im Jahr 1990 verstarb Herbert Geier im Alter von 67 Jahren.